Selbstgespräche – wie rede ich eigentlich mit mir?

BelieveWir glauben, was wir uns selbst sagen Foto: Asja Boroš / flickr

Selbstgespräche – das machen doch diese seltsamen Leute, die im Bus lauthals vom Weltuntergang predigen, dazu wahlweise andere Passagiere oder die Lage der Weltpolitik kommentieren. Sowas mache ich doch nicht, ich bin ja nicht wie die!

Naja, vielleicht ein kleines bisschen schon: Wann hast du das letzte Mal gesagt „super, ein Penalty, da treffe ich bestimmt“? Oder war es doch eher etwas von der Sorte „ich bin so doof, immer mache ich diese dummen Fehler, ich lerne das nie“?

Was das mit Sport und Mentaltraining zu tun hat? Ziemlich viel:

Unser Gehirn lernt über Repetition – das kennst du bestens vom Auswendig-Lernen. Was man oft genug wiederholt bekommt, das merkt man sich. Und nicht nur das: Man beginnt es auch zu glauben. Diesen Effekt macht sich die Werbung zu Nutze: Wer oft genug hört, dass Quaxi das reinste Waschmittel sei, schöner billiger und besser – der wird das glauben und Quaxi kaufen. Auch wenn ein Konsumentenmagazin einen vernichtenden Verriss darüber schreibt. Ein Verriss ist eben nur einer – und keine genügende Wiederholung.

Natürlich haben Konsumentenmagazine trotzdem eine grosse Wirkung: Weil Negatives nämlich einen grösseren Einfluss hat und wir es uns besser merken können. Man muss also sehr viel mehr Positives sagen, um etwas Negatives aufzuheben.

Genau gleich verhält es sich mit dem, was wir über uns selbst hören: Wenn dein Trainer immer wieder sagt „Fritz, deine Zeit messe ich gar nicht mehr, du bist ohnehin immer der Langsamste“, dann wird Fritz von sich glauben, er sei ohnehin immer der Langsamste (und zwar auch in Bezug auf beliebige andere Trainingsgruppen!). Und wer von sich glaubt, er sei ohnehin der Langsamste, der wird auch nicht schneller.

Da nützt es auch nichts, wenn Fritz ein oder zwei Mal nicht der Langsamste ist: Das ist ja nur ein positives Erlebnis. Und wir erinnern uns: Wir brauchen viele positive Erlebnisse, um ein negatives auszugleichen.

Und jetzt kommt’s noch dicker: Der Effekt besteht auch dann, wenn man selber der oder die Einzige ist, der so über sich denkt oder redet. „Ich bin so ein Trottel“ – nur weil man einen Bleistift hat fallen lassen, ist man noch lange kein Trottel. Wenn du dich bei solchen Äusserungen ertappst: Hör auf damit.

Fange damit an, dich selber zu beobachten: Was sagst du im Training laut oder denkst es still? Ist das alles wahr? Und auch wenn es noch wahr ist („die anderen sind super gut“) – hilft dir der Gedanke?

Wenn dir der Gedanke nicht hilft, dann entsorge ihn und ersetze ihn durch einen anderen. Das Hirn kann nämlich nur einen Gedanken aufs Mal denken – und so lange du bestimmst, welchen Gedanken du denken willst, kommt dort kein anderer hin. Das kann bedeuten, dass man sich selbst in Endlosschleife immer den gleichen Satz vorsagt – aber wenn er hilft, dann hilft er doppelt: Erstens deshalb, weil er den „schlechten“ Gedanken keinen Platz gibt und zweitens, weil er ja oft wiederholt wird – und unser Gehirn anfängt, ihn zu glauben.

Zweifel, Angst und bedrohliche Situationen machen die meisten von uns nicht besser. Also beschliesse, dir selbst einen Satz zu sagen, der Sicherheit vermittelt: „Ich kann das“. Feuere dich an, sei gut zu dir selber, und sage dir selbst nur Dinge, die du auch deinen Freunden und Kindern sagen würdest.

Und wenn dich ein hartnäckiger Gedanke plagt, der sich nicht verscheuchen lassen will: Suche Hilfe bei einem Sport-Psychologen oder einem gut qualifizierten Mentaltrainer.


 
Katrin Bretscher, Mentaltrainerin Zürich

Wer schreibt hier?

Mein Name ist Katrin Bretscher, ich bin Mentaltrainerin für Sportler und "normale Menschen". Ich habe meine Praxis mit dem Namen "Power & Balance" in Zürich.

Ich habe ursprünglich an der ETH Informatik studiert und von Ballett über Karate bis Eishockey alle möglichen Sportarten trainiert. Nach verschiedenen Anstellungen und Weiterbildungen habe ich mich 2014 mit meiner eigenen Praxis selbstständig gemacht: Ich bin diplomierte Hypnose-Therapeutin, Trainerin für Autogenes Training und Mentaltrainerin.

Hier erfährst du (noch) mehr über mich.